Mario und der Zauberer
Thomas Mann · Seite 105 von 107
1Es war recht still im Saale geworden. Der Au-
2genblick war grotesk, ungeheuerlich und span-
3nend, – der Augenblick von Marios Seligkeit.
4Was hörbar wurde in dieser argen Zeitspanne,
5in der alle Beziehungen von Glück und Illusion
6sich dem Gefühle aufdrängten, war, nicht
7gleich am Anfang, aber sogleich nach der trau-
8rigen und skurrilen Vereinigung von ’s
9Lippen mit dem abscheulichen Fleisch, das sich
10seiner Zärtlichkeit unterschob, das Lachen des
11 zu unserer Linken, das sich einzeln
12aus der Erwartung löste, brutal, schadenfroh
13und dennoch, ich hätte mich sehr täuschen
14müssen, nicht ohne einen Unterton und Ein-
15schlag von Erbarmen mit so viel verträumtem
16Nachteil, nicht ganz ohne das Mitklingen jenes
17Rufes »!«, den der Zauberer vorhin
18für falsch gerichtet erklärt und für sich selbst in
19Anspruch genommen hatte.
20Zugleich aber auch schon, während noch dies
21Lachen erklang, ließ der oben Geliebkoste un-
22ten, neben dem Stuhlbein, die Reitpeitsche pfei-
23fen, und Mario, geweckt, fuhr auf und zurück.
24Er stand und starrte, hintübergebogenen Lei-
25bes, drückte die Hände an seine mißbrauchten
26Lippen, eine über der anderen, schlug sich dann