Mario und der Zauberer
Thomas Mann · Seite 18 von 107
1in vor. Früher aber, vor ihrer
2Verheiratung, war unsere neue Wirtin Gesell-
3schafterin, Reisebegleiterin, , ja
4Freundin der gewesen, eine Epoche, die
5sie offenbar als die große, die glückliche ihres
6Lebens betrachtete, und von der sie bei unse-
7rem ersten Besuch sogleich mit Lebhaftigkeit
8zu erzählen begann. Zahlreiche Photographien
9der großen Schauspielerin, mit herzlichen Wid-
10mungen versehen, auch weitere Andenken an
11das Zusammenleben von einst schmückten die
12Tischchen und von Frau Angiolieris
13Salon, und obgleich auf der Hand lag, daß der
14Kult ihrer interessanten Vergangenheit ein we-
15nig auch die Anziehungskraft ihres gegenwärti-
16gen Unternehmens erhöhen wollte, hörten wir
17doch, während wir durchs Haus geführt wur-
18den, mit Vergnügen und Anteil ihren in stak-
19kiertem und klingendem Toskanisch vorgetra-
20genen Erzählungen von der leidenden Güte,
21dem Herzensgenie und dem tiefen Zartsinn
22ihrer verewigten Herrin zu.
23Dorthin also ließen wir unsere Sachen bringen,
24zum Leidwesen des nach gut italienischer Art
25sehr kinderlieben Personals vom ;
26die uns eingeräumte Wohnung war geschlossen