Mario und der Zauberer
Thomas Mann · Seite 46 von 107
1hatte bestimmen können, seine Keckheit gegen
2sie, das Publikum, zu wenden. Man fand sein
3Benehmen läppisch, kümmerte sich nicht wei-
4ter um ihn und wandte seine Aufmerksamkeit
5dem Künstler zu, der, vom Stärkungstischchen
6zurückkehrend, folgendermaßen zu sprechen
7fortfuhr: »Meine Damen und Herren«, sagte er
8mit seiner asthmatisch-metallischen Stimme,
9»Sie sahen mich soeben etwas empfindlich ge-
10gen die Belehrung, die dieser hoffnungsvolle
11junge Linguist« (»questo linguista di belle spe-
12ranze«, – man lachte über das Wortspiel) »mir
13erteilen zu sollen glaubte. Ich bin ein Mann von
14einiger Eigenliebe, nehmen Sie das in Kauf! Ich
15finde keinen Geschmack daran, mir anders als
16ernsthaften und höflichen Sinnes guten Abend
17wünschen zu lassen, – es in entgegengesetztem
18Sinne zu tun, besteht wenig Anlaß. Indem man
19mir einen guten Abend wünscht, wünscht man
20sich selber einen, denn das Publikum wird nur
21in dem Falle einen guten Abend haben, daß ich
22einen habe, und darum tat dieser Liebling der
23Mädchen von Torre die Venere« (er hörte nicht
24auf, gegen den Burschen zu sticheln) »sehr wohl
25daran, sogleich einen Beweis dafür zu geben,
26daß ich heute einen habe und also auf seine