Buch

Seite 61

Mario und der Zauberer

Thomas Mann · Seite 61 von 107

1Zigarette angezündet. Der arithmetische Ver-
2such konnte wieder in Angriff genommen wer-
3den. Ohne Schwierigkeit fand sich ein junger
4Mann aus den hinteren Sitzreihen, der bereit
5war, diktierte Ziffern auf die Tafel zu schreiben.
6Wir kannten ihn auch; die ganze Unterhaltung
7gewann etwas Familiäres dadurch, daß man so
8viele Gesichter kannte. Es war der Angestellte
9des Kolonialwaren- und Obstladens in der
10Hauptstraße und hatte uns mehrmals in guter
11Form bedient. Er handhabte die Kreide mit
12kaufmännischer Gewandtheit, während Cipol-
13la, zu unserer Ebene herabgestiegen, sich in sei-
14ner verwachsenen Gangart durch das Publikum
15bewegte und Zahlen einsammelte, zwei-, drei-
16und vierstellige nach freier Wahl, die er den
17Befragten von den Lippen nahm, um sie seiner-
18seits dem jungen Krämer zuzurufen, der sie
19untereinander reihte. Dabei war alles, im wech-
20selseitigen Einverständnis, auf Unterhaltung,
21Jux, rednerische Abschweifung berechnet. Es
22konnte nicht fehlen, daß der Künstler auf
23Fremde stieß, die mit der inländischen Zahlen-
24sprache nicht fertig wurden, und mit denen er
25sich lange auf hervorgekehrt ritterliche Art be-
26mühte, unter der höflichen Heiterkeit der Lan-