Mario und der Zauberer
Thomas Mann · Seite 88 von 107
1der , und klug genug, den Ort des ge-
2ringsten Widerstandes zum Angriffspunkt zu
3wählen, ließ er die Tanzorgie durch jenen
4schwächlichen und zur Entgeisterung geneig-
5ten Jüngling einleiten, den er vorhin schon stock-
6steif gemacht hatte. Dieser hatte eine Art, so-
7bald ihn der Meister nur mit dem Blicke anfuhr,
8wie vom Blitz getroffen den Oberkörper zu-
9rückzuwerfen und, Hände an der Hosennaht, in
10einen Zustand von militärischem Somnambu-
11lismus zu verfallen, daß seine Erbötigkeit zu je-
12dem Unsinn, den man ihm auferlegen würde,
13von vornherein in die Augen sprang. Auch
14schien er in der Hörigkeit sich ganz zu behagen
15und seine armselige Selbstbestimmung gern los
16zu sein; denn immer wieder bot er sich als Ver-
17suchsobjekt an und setzte sichtlich seine Ehre
18darein, ein Musterbeispiel prompter Entseelung
19und Willenlosigkeit zu bieten. Auch jetzt stieg
20er aufs Podium, und nur eines Luftstreiches der
21Peitsche bedurfte es, um ihn nach der Weisung
22des Cavaliere dort oben »« tanzen zu las-
23sen, das heißt in einer Art von wohlgefälliger
24Ekstase mit geschlossenen Augen und wiegen-
25dem Kopf seine dürftigen Glieder nach allen
26Seiten zu schleudern.