Mario und der Zauberer
Thomas Mann · Seite 95 von 107
1weigern sollen. Gern oder ungern, er löste sich
2also von seinem Pfeiler, dankte denen, die, vor
3ihm stehend und sich umschauend, ihm den
4Weg zum Podium freigaben, und stieg hinauf,
5ein zweifelndes Lächeln um seine aufgeworfe-
6nen Lippen.
7Stellen Sie ihn sich vor als einen untersetzt
8gebauten Jungen von zwanzig Jahren mit kurz-
9geschorenem Haar, niedriger Stirn und zu
10schweren Lidern über Augen, deren Farbe ein
11unbestimmtes Grau mit grünen und gelben
12Einschlägen war. Das weiß ich genau, denn wir
13hatten oft mit ihm gesprochen. Das Obergesicht
14mit der eingedrückten Nase, die einen Sattel
15von Sommersprossen trug, trat zurück gegen
16das untere, von den dicken Lippen beherrschte,
17zwischen denen beim Sprechen die feuchten
18Zähne sichtbar wurden, und diese Wulstlippen
19verliehen zusammen mit der Verhülltheit der
20Augen seiner Physiognomie eine primitive
21Schwermut, die gerade der Grund gewesen war,
22weshalb wir von jeher etwas übriggehabt hatten
23für . Von Brutalität des Ausdrucks konnte
24keine Rede sein; dem hätte schon die unge-
25wöhnliche Schmalheit und Feinheit seiner Hän-
26de widersprochen, die selbst unter Südländern