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Seite 102

Mario und der Zauberer

Thomas Mann · Seite 102 von 107

1Zwiesprache mit . »Gibt es nicht überaus
2vorlaute Hähne, die zur Zeit und Unzeit krä-
3hen? Da nimmt er uns den Namen von den Lip-
4pen, dir und mir, und glaubt wohl noch, der Eit-
5le, ein besonderes Anrecht auf ihn zu besitzen.
6Lassen wir ihn! Die aber, deine Silve-
7stra, ja, sage einmal, das ist ein Mädchen, was?!
8Ein wahrer Schatz! Das Herz steht einem still,
9wenn man sie gehen, atmen, lachen sieht, so rei-
10zend ist sie. Und ihre runden Arme, wenn sie
11wäscht und dabei den Kopf in den Nacken wirft
12und das Haar aus der Stirn schüttelt! Ein Engel
13des Paradieses!«
14Mario starrte ihn mit vorgeschobenem Kopfe
15an. Er schien seine Lage und das Publikum ver-
16gessen zu haben. Die roten Flecken um seine
17Augen hatten sich vergrößert und wirkten wie
18aufgemalt. Ich habe das selten gesehen. Seine
19dicken Lippen standen getrennt.
20»Und er macht dir Kummer, dieser Engel«,
21fuhr fort, »oder vielmehr, du machst
22dir Kummer um ihn... Das ist ein Unterschied,
23mein Lieber, ein schwerwiegender Unterschied,
24glaube mir! In der Liebe gibt es Mißverständ-
25nisse, – man kann sagen, daß das Mißverständ-
26nis nirgends so sehr zu Hause ist wie hier. Du