Mario und der Zauberer
Thomas Mann · Seite 23 von 107
1dem ein großer Feigling war, imstande, durch
2seine empörende Wehleidigkeit den ganzen
3Strand in Aufruhr zu bringen. Eines Tages
4nämlich hatte ihn im Wasser ein Taschenkrebs
5in die Zehe gezwickt, und das antikische Hel-
6denjammergeschrei, das er ob dieser winzigen
7Unannehmlichkeit erhob, war markerschüt-
8ternd und rief den Eindruck eines schrecklichen
9Unglücksfalls hervor. Offenbar glaubte er sich
10aufs giftigste verletzt. Ans Land gekrochen,
11wälzte er sich in scheinbar unerträglichen Qua-
12len umher, brüllte und und wehrte,
13mit Armen und Beinen um sich stoßend, die tra-
14gischen Beschwörungen seiner Mutter, den Zu-
15spruch Fernerstehender ab. Die Szene hatte
16Zulauf von allen Seiten. Ein Arzt wurde herbei-
17geholt, es war derselbe, der unseren Keuchhu-
18sten so nüchtern beurteilt hatte, und wieder be-
19währte sich sein wissenschaftlicher Geradsinn.
20Gutmütig tröstend erklärte er den Fall für null
21und nichtig und empfahl einfach des Patienten
22Rückkehr ins Bad, zur Kühlung der kleinen
23Kniffwunde. Statt dessen aber wurde ,
24wie ein Abgestürzter oder Ertrunkener, auf
25einer improvisierten Bahre mit großem Gefolge
26vom Strande getragen, – um schon am nächsten