Mario und der Zauberer
Thomas Mann · Seite 24 von 107
1Morgen wieder, unter dem Scheine der Unab-
2sichtlichkeit, anderen Kindern die Sandbauten
3zu zerstören. Mit einem Worte, ein Greuel.
4Dabei gehörte dieser Zwölfjährige zu den
5Hauptträgern einer öffentlichen Stimmung,
6die, schwer greifbar in der Luft liegend, uns ei-
7nen so lieben Aufenthalt als nicht geheuer ver-
8leiden wollte. Auf irgendeine Weise fehlte es der
9Atmosphäre an Unschuld, an Zwanglosigkeit;
10dies Publikum »hielt auf sich« – man wußte zu-
11nächst nicht recht, in welchem Sinn und Geist,
12es prästierte Würde, stellte voreinander und vor
13dem Fremden Ernst und Haltung, wach aufge-
14richtete Ehrliebe zur Schau –, wieso? Man ver-
15stand bald, daß Politisches umging, die Idee der
16Nation im Spiele war. Tatsächlich wimmelte es
17am Strande von patriotischen Kindern, – eine
18unnatürliche und niederschlagende Erschei-
19nung. Kinder bilden ja eine Menschenspezies
20und Gesellschaft für sich, sozusagen eine eigene
21Nation; leicht und notwendig finden sie sich,
22auch wenn ihr kleiner Wortschatz verschiede-
23nen Sprachen angehört, auf Grund gemeinsa-
24mer Lebensform in der Welt zusammen. Auch
25die unsrigen spielten bald mit einheimischen
26sowohl wie solchen wieder anderer Herkunft.