Mario und der Zauberer
Thomas Mann · Seite 26 von 107
1lung ein gutes Jahr jünger zu schätzen und ma-
2ger wie ein Spatz, die nach längerem Bad, wie es
3die Wärme erlaubte, ihr Spiel an Land im nas-
4sen Kostüm wieder aufgenommen hatte, erhielt
5Erlaubnis, den von anklebendem Sande star-
6renden Anzug noch einmal im Meere zu spülen,
7um ihn dann wieder anzulegen und vor neuer
8Verunreinigung zu schützen. Nackt läuft sie
9zum wenige Meter entfernten Wasser, schwenkt
10ihr Trikot und kehrt zurück. Hätten wir die
11Welle von Hohn, Anstoß, Widerspruch voraus-
12sehen müssen, die ihr Benehmen, unser Beneh-
13men also, erregte? Ich halte Ihnen keinen Vor-
14trag, aber in der ganzen Welt hat das Verhalten
15zum Körper und seiner Nacktheit sich während
16der letzten Jahrzehnte grundsätzlich und das
17Gefühl bestimmend gewandelt. Es gibt Dinge,
18bei denen man sich »nichts mehr denkt«, und
19zu ihnen gehörte die Freiheit, die wir diesem
20so gar nicht herausfordernden Kinderleibe ge-
21währt hatten. Sie wurde jedoch hierorts als Her-
22ausforderung empfunden. Die patriotischen
23Kinder johlten. pfiff auf den Fingern.
24Erregtes Gespräch unter Erwachsenen in unse-
25rer Nähe wurde laut und verhieß nichts Gutes.
26Ein Herr in städtischem Schniepel, den wenig