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Mario und der Zauberer

Thomas Mann · Seite 49 von 107

1fest. Der Mann hatte noch nichts geleistet, aber
2sein Sprechen allein ward als Leistung gewür-
3digt, er hatte damit zu imponieren gewußt. Un-
4ter Südländern ist die Sprache ein Ingredienz
5der Lebensfreude, dem man weit lebhaftere
6gesellschaftliche Schätzung entgegenbringt,
7als der Norden sie kennt. Es sind vorbildliche
8Ehren, in denen das nationale Bindemittel der
9Muttersprache bei diesen Völkern steht, und
10etwas heiter Vorbildliches hat die genußreiche
11Ehrfurcht, mit der man ihre Formen und Laut-
12gesetze betreut. Man spricht mit Vergnügen,
13man hört mit Vergnügen – und man hört mit
14Urteil. Denn es gilt als Maßstab für den persön-
15lichen Rang, wie einer spricht; Nachlässigkeit,
16Stümperei erregen Verachtung, Eleganz und
17Meisterschaft verschaffen menschliches Anse-
18hen, weshalb auch der kleine Mann, sobald es
19ihm um seine Wirkung zu tun ist, sich in ge-
20wählten Wendungen versucht und sie mit Sorg-
21falt gestaltet. In dieser Hinsicht also wenigstens
22hatte sichtlich für sich eingenommen,
23obgleich er keineswegs dem Menschenschlag
24angehörte, den der Italiener, in eigentümlicher
25Mischung moralischen und ästhetischen Ur-
26teils, als »« anspricht.