Mario und der Zauberer
Thomas Mann · Seite 55 von 107
1selbst erniedrigt, sondern auch die Regierung
2und das Land dem Gerede aussetzt. Wenn wirk-
3lich der letzte Winkel des Vater-
4landes sein sollte, in den die Unkenntnis der
5Elementarwissenschaften sich geflüchtet hat,
6so müßte ich bedauern, einen Ort aufgesucht zu
7haben, von dem mir allerdings bekannt sein
8mußte, daß er an Bedeutung hinter Rom in die-
9ser und jener Beziehung zurücksteht...«
10Hier wurde er von dem Burschen mit der nubi-
11schen Haartracht und der Jacke über der Schul-
12ter unterbrochen, dessen Angriffslust, wie man
13nun sah, nur vorübergehend abgedankt hatte,
14und der sich erhobenen Hauptes zum Ritter sei-
15nes Heimatstädtchens aufwarf.
16»Genug!« sagte er laut. »Genug der Witze über
17Torre. Wir alle sind von hier und werden nicht
18dulden, daß man die Stadt vor den Fremden
19verhöhnt. Auch diese beiden Leute sind unsere
20Freunde. Wenn sie keine Gelehrten sind, so sind
21sie dafür rechtschaffenere Jungen als vielleicht
22mancher andere im Saal, der mit Rom prahlt,
23obgleich er es auch nicht gegründet hat.«
24Das war ja ausgezeichnet. Der junge Mensch
25hatte wahrhaftig Haare auf den Zähnen. Man
26unterhielt sich bei dieser Art von Dramatik, ob-