Mario und der Zauberer
Thomas Mann · Seite 58 von 107
1 näherte sich dem Burschen noch mehr,
2wobei er ihm eigentümlich in die Augen sah. Er
3kam sogar die Stufen, die dort, links von uns,
4ins Auditorium führten, halbwegs herab, so daß
5er, etwas erhöht, dicht vor dem Streitbaren
6stand. Die Reitpeitsche hing an seinem Arm.
7»Du bist nicht zu Scherzen aufgelegt, mein
8Sohn«, sagte er. »Das ist nur zu begreiflich,
9denn jedermann sieht, daß du nicht wohl bist.
10Schon deine Zunge, deren Reinheit zu wün-
11schen übrigließ, deutete auf akute Unordnung
12des gastrischen Systems. Man sollte keine
13Abendunterhaltung besuchen, wenn man sich
14fühlt wie du, und du selbst, ich weiß es, hast
15geschwankt, ob du nicht besser tätest, ins Bett
16zu gehen und dir einen Leibwickel zu machen.
17Es war leichtsinnig, heute nachmittag so viel
18von diesem weißen Wein zu trinken, der
19schrecklich sauer war. Jetzt hast du die Kolik,
20daß du dich krümmen möchtest vor Schmer-
21zen. Tu’s nur ungescheut! Es ist eine gewisse
22Linderung verbunden mit dieser Nachgiebig-
23keit des Körpers gegen den Krampf der Einge-
24weide.«
25Indem er dies Wort für Wort mit ruhiger Ein-
26dringlichkeit und einer Art strenger Teilnahme