Mario und der Zauberer
Thomas Mann · Seite 59 von 107
1sprach, schienen seine Augen, in die des jungen
2Menschen getaucht, über ihren Tränensäcken
3zugleich welk und brennend zu werden, – es
4waren sehr sonderbare Augen, und man ver-
5stand, daß sein Partner nicht nur aus Mannes-
6stolz die seinen nicht von ihnen lösen mochte.
7Auch war von solchem Hochmut alsbald in sei-
8nem bronzierten Gesicht nichts mehr zu bemer-
9ken. Er sah den mit offenem Munde
10an, und dieser Mund lächelte in seiner Offenheit
11verstört und kläglich.
12»Krümme dich!« wiederholte . »Was
13bleibt dir anderes übrig? Bei solcher Kolik muß
14man sich krümmen. Du wirst dich doch gegen
15die natürliche Reflexbewegung nicht sträuben,
16nur, weil man sie dir empfiehlt.«
17Der junge Mann hob langsam die Unterarme,
18und während er sie anpressend über dem Leibe
19kreuzte, verbog sich sein Körper, wandte sich
20seitlich vornüber, tiefer und tiefer, ging bei ver-
21stellten Füßen und gegeneinandergekehrten
22Knien in die Beuge, so daß er endlich, ein Bild
23verrenkter Pein, beinahe am Boden hockte. So
24ließ Cipolla ihn einige Sekunden stehen, tat
25dann mit der Reitpeitsche einen kurzen Hieb
26durch die Luft und kehrte ausladend zum