Mario und der Zauberer
Thomas Mann · Seite 84 von 107
1freiheit. Was für ein konfuser Vorgang! Er
2schien zu wollen und nicht zu können; aber er
3konnte wohl nur nicht wollen, und es waltete da
4jene die Freiheit lähmende Verstrickung des
5Willens in sich selbst, die unser Bändiger vorhin
6schon dem römischen Herrn höhnisch voraus-
7gesagt hatte.
8Noch weniger vergesse ich in ihrer rührenden
9und geisterhaften Komik die Szene mit Frau
10, deren ätherische Widerstandslosig-
11keit gegen seine Macht der gewiß
12schon bei seiner ersten dreisten Umschau im
13Saale erspäht hatte. Er zog sie durch pure Behe-
14xung buchstäblich von ihrem Stuhl empor, aus
15ihrer Reihe heraus mit sich fort, und dabei hatte
16er, um sein Licht besser leuchten zu lassen,
17Herrn Angiolieri aufgegeben, seine Frau mit
18Vornamen zu rufen, gleichsam um das Gewicht
19seines Daseins und seiner Rechte in die Waag-
20schale zu werfen und mit der Stimme des Gat-
21ten alles in der Seele der Gefährtin wachzuru-
22fen, was ihre Tugend gegen bösen Zauber zu
23schützen vermochte. Doch wie vergeblich ge-
24schah es! , in einiger Entfernung von
25dem Ehepaar, ließ einmal seine Peitsche pfei-
26fen, mit der Wirkung, daß unsere Wirtin heftig