Mario und der Zauberer
Thomas Mann · Seite 85 von 107
1zusammenzuckte und ihm ihr Gesicht zuwand-
2te. »!« rief Herr schon hier
3(wir hatten gar nicht gewußt, daß Frau Angio-
4lieri Sofronia mit Vornamen hieß), und mit
5Recht begann er zu rufen, denn jedermann sah,
6daß Gefahr im Verzuge war: seiner Gattin Ant-
7litz blieb unverwandt gegen den verfluchten
8 gerichtet. Dieser nun, die Peitsche ans
9Handgelenk gehängt, begann mit allen seinen
10zehn langen und gelben Fingern winkende und
11ziehende Bewegungen gegen sein Opfer zu voll-
12führen und schrittweise rückwärts zu gehen. Da
13stieg Frau Angiolieri in schimmernder Blässe
14von ihrem Sitze auf, wandte sich ganz nach der
15Seite des Beschwörers und fing an, ihm nachzu-
16schweben. Geisterhafter und fataler Anblick!
17Mondsüchtigen Ausdrucks, die Arme steif, die
18schönen Hände etwas aus dem Gelenk erhoben
19und wie mit geschlossenen Füßen schien sie
20langsam aus ihrer Bank herauszugleiten, dem
21ziehenden Verführer nach... »Rufen Sie, mein
22Herr, rufen Sie doch!« mahnte der Schreck-
23liche. Und Herr Angiolieri rief mit schwacher
24Stimme: »Sofronia!« Ach, mehrmals rief er es
25noch, hob sogar, da sein Weib sich mehr und
26mehr von ihm entfernte, eine hohle Hand zum