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Seite 104

Mario und der Zauberer

Thomas Mann · Seite 104 von 107

1und begreift, mein Erwählter! Es ist Zeit, daß
2du mich siehst und erkennst, , mein Lieb-
3ster... Sage, wer bin ich?«
4Es war greulich, wie der Betrüger sich lieblich
5machte, die schiefen Schultern kokett verdreh-
6te, die Beutelaugen schmachten ließ und in süß-
7lichem Lächeln seine splittrigen Zähne zeigte.
8Ach, aber was war während seiner verblenden-
9den Worte aus unserem Mario geworden? Es
10wird mir schwer, es zu sagen, wie es mir schwer
11wurde, es zu sehen, denn das war eine Preisgabe
12des Innigsten, die öffentliche Ausstellung ver-
13zagter und wahnhaft beseligter Leidenschaft.
14Er hielt die Hände vorm Munde gefaltet, seine
15Schultern hoben und senkten sich in gewaltsa-
16men Atemzügen. Gewiß traute er vor Glück sei-
17nen Augen und Ohren nicht und vergaß eben
18nur das eine dabei, daß er ihnen wirklich nicht
19trauen durfte. »!« hauchte er überwäl-
20tigt, aus tiefster Brust.
21»Küsse mich!« sagte der Bucklige. »Glaube,
22daß du es darfst! Ich liebe dich. Küsse mich
23hierher«, und er wies mit der Spitze des Zeige-
24fingers, Hand, Arm und kleinen Finger weg-
25spreizend, an seine Wange, nahe dem Mund.
26Und Mario neigte sich und küßte ihn.