Mario und der Zauberer
Thomas Mann · Seite 91 von 107
1frei war. Verstand ich den Vorgang recht, so
2unterlag dieser Herr der Negativität seiner
3Kampfposition. Wahrscheinlich kann man vom
4Nichtwollen seelisch nicht leben; eine Sache
5nicht tun wollen, das ist auf die Dauer kein Le-
6bensinhalt; etwas nicht wollen und überhaupt
7nicht mehr wollen, also das Geforderte dennoch
8tun, das liegt vielleicht zu benachbart, als daß
9nicht die Freiheitsidee dazwischen ins Gedrän-
10ge geraten müßte, und in dieser Richtung be-
11wegten sich denn auch die Zureden, die der
12 zwischen Peitschenhiebe und Befehle
13einflocht, indem er Einwirkungen, die sein Ge-
14heimnis waren, mit verwirrend psychologi-
15schen mischte. »« sagte er. »Wer wird sich
16so quälen? Nennst du es Freiheit – diese Verge-
17waltigung deiner selbst? Es reißt
18dir ja an allen Gliedern. Wie gut wird es sein,
19ihnen endlich den Willen zu lassen! Da, du tan-
20zest ja schon! Das ist kein Kampf mehr, das ist
21bereits das Vergnügen!« – So war es, das Zuk-
22ken und Zerren im Körper des Widerspenstigen
23nahm überhand, er hob die Arme, die Knie, auf
24einmal lösten sich alle seine Gelenke, er warf die
25Glieder, er tanzte, und so führte der Cavaliere
26ihn, während die Leute klatschten, aufs Po-