Der Kuss
Achte darauf, wie Cipolla Marios innerstes Gefühl öffentlich ausstellt und missbraucht.
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20»Und er macht dir Kummer, dieser Engel«,
21fuhr fort, »oder vielmehr, du machst
22dir Kummer um ihn... Das ist ein Unterschied,
23mein Lieber, ein schwerwiegender Unterschied,
24glaube mir! In der Liebe gibt es Mißverständ-
25nisse, – man kann sagen, daß das Mißverständ-
26nis nirgends so sehr zu Hause ist wie hier. Du
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1wirst meinen, was versteht der von der
2Liebe, er mit seinem kleinen Leibesschaden?
3Irrtum, er versteht gar viel davon, er versteht
4sich auf eine umfassende und eindringliche
5Weise auf sie, es empfiehlt sich, ihm in ihren An-
6gelegenheiten Gehör zu schenken! Aber lassen
7wir den Cipolla, lassen wir ihn ganz aus dem
8Spiel, und denken wir nur an , deine
9reizende Silvestra! Wie? Sie sollte irgendeinem
10krähenden Hahn vor dir den Vorzug geben, so
11daß er lachen kann und du weinen mußt? Den
12Vorzug vor dir, einem so gefühlvollen und sym-
13pathischen Burschen? Das ist wenig wahr-
14scheinlich, das ist unmöglich, wir wissen es bes-
15ser, der Cipolla und sie. Wenn ich mich an ihre
16Stelle versetze, siehst du, und die Wahl habe
17zwischen so einem geteerten Lümmel, so einem
18Salzfisch und Meeresobst – und einem ,
19einem Ritter der Serviette, der sich unter den
20Herrschaften bewegt, der den Fremden ge-
21wandt Erfrischungen reicht und mich liebt mit
22wahrem, heißem Gefühl, – meiner Treu, so ist
23die Entscheidung meinem Herzen nicht schwer
24gemacht, so weiß ich wohl, wem ich es schenken
25soll, wem ganz allein ich es längst schon errö-
26tend geschenkt habe. Es ist Zeit, daß er’s sieht
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1und begreift, mein Erwählter! Es ist Zeit, daß
2du mich siehst und erkennst, , mein Lieb-
3ster... Sage, wer bin ich?«
4Es war greulich, wie der Betrüger sich lieblich
5machte, die schiefen Schultern kokett verdreh-
6te, die Beutelaugen schmachten ließ und in süß-
7lichem Lächeln seine splittrigen Zähne zeigte.
8Ach, aber was war während seiner verblenden-
9den Worte aus unserem Mario geworden? Es
10wird mir schwer, es zu sagen, wie es mir schwer
11wurde, es zu sehen, denn das war eine Preisgabe
12des Innigsten, die öffentliche Ausstellung ver-
13zagter und wahnhaft beseligter Leidenschaft.
14Er hielt die Hände vorm Munde gefaltet, seine
15Schultern hoben und senkten sich in gewaltsa-
16men Atemzügen. Gewiß traute er vor Glück sei-
17nen Augen und Ohren nicht und vergaß eben
18nur das eine dabei, daß er ihnen wirklich nicht
19trauen durfte. »!« hauchte er überwäl-
20tigt, aus tiefster Brust.
21»Küsse mich!« sagte der Bucklige. »Glaube,
22daß du es darfst! Ich liebe dich. Küsse mich
23hierher«, und er wies mit der Spitze des Zeige-
24fingers, Hand, Arm und kleinen Finger weg-
25spreizend, an seine Wange, nahe dem Mund.
26Und Mario neigte sich und küßte ihn.