Schlüsselpassage 14

Seiten 81–82

Peitsche und «Poveretto»

Achte darauf, wie Cipolla die Rollen von Täter und Opfer umkehrt.

S. 81

6Zwei Dinge spielten die Hauptrolle bei diesen
7Triumphen: das Stärkungsgläschen und die
8Reitpeitsche mit dem Klauengriff. Das eine
9mußte immer wieder dazu dienen, seiner Dä-
10monie einzuheizen, da sonst, wie es schien,
11Erschöpfung gedroht hätte; und das hätte
12menschlich besorgt stimmen können um den
13Mann, wenn nicht das andere, dies beleidigende
14Symbol seiner Herrschaft, gewesen wäre, diese
15pfeifende Fuchtel, unter die seine Anmaßung
16uns alle stellte, und deren Mitwirkung weichere
17Empfindungen als die einer verwunderten und
18vertrotzten Unterwerfung nicht aufkommen
19ließ. Vermißte er sie? Beanspruchte er auch
20noch unser Mitgefühl? Wollte er alles haben?
21Eine Äußerung von ihm prägte sich mir ein,
22die auf solche Eifersucht schließen ließ. Er tat
23sie, als er, auf dem Höhepunkt seiner Experi-
24mente, einen jungen Menschen, der sich ihm
25zur Verfügung gestellt und sich längst als be-
26sonders empfängliches Objekt dieser Einflüsse

S. 82

1erwiesen, durch Striche und Anhauch vollkom-
2men kataleptisch gemacht hatte, dergestalt,
3daß er den in Tiefschlaf Gebannten nicht nur
4mit Nacken und Füßen auf die Lehnen zweier
5Stühle legen, sondern sich ihm auch auf den
6Leib setzen konnte, ohne daß der brettstarre
7Körper nachgab. Der Anblick des Unholds im
8Salonrock, hockend auf der verholzten Gestalt,
9war unglaubwürdig und scheußlich, und das
10Publikum, in der Vorstellung, daß das Opfer
11dieser wissenschaftlichen Kurzweil leiden müsse,
12äußerte Erbarmen. »!« »Armer Kerl!«
13riefen gutmütige Stimmen. »Poveretto!« höhn-
14te erbittert. »Das ist falsch adressiert,
15meine Herrschaften! Ich
16bin es, der das alles duldet.« Man steckte die
Peitsche und «Poveretto»Hörbuch folgt