Schlüsselpassage 5

Seiten 26–27

Der Strandskandal

Achte auf das Missverhältnis zwischen dem kleinen Anlass und dem nationalen Pathos der Strafrede.

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8Verunreinigung zu schützen. Nackt läuft sie
9zum wenige Meter entfernten Wasser, schwenkt
10ihr Trikot und kehrt zurück. Hätten wir die
11Welle von Hohn, Anstoß, Widerspruch voraus-
12sehen müssen, die ihr Benehmen, unser Beneh-
13men also, erregte? Ich halte Ihnen keinen Vor-
14trag, aber in der ganzen Welt hat das Verhalten
15zum Körper und seiner Nacktheit sich während
16der letzten Jahrzehnte grundsätzlich und das
17Gefühl bestimmend gewandelt. Es gibt Dinge,
18bei denen man sich »nichts mehr denkt«, und
19zu ihnen gehörte die Freiheit, die wir diesem
20so gar nicht herausfordernden Kinderleibe ge-
21währt hatten. Sie wurde jedoch hierorts als Her-
22ausforderung empfunden. Die patriotischen
23Kinder johlten. pfiff auf den Fingern.
24Erregtes Gespräch unter Erwachsenen in unse-
25rer Nähe wurde laut und verhieß nichts Gutes.
26Ein Herr in städtischem Schniepel, den wenig

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1strandgerechten Melonenhut im Nacken, ver-
2sichert seinen entrüsteten Damen, er sei zu
3korrigierenden Schritten entschlossen; er tritt
4vor uns hin, und eine Philippika geht auf uns
5nieder, in der alles Pathos des sinnenfreudigen
6Südens sich in den Dienst spröder Zucht und
7Sitte gestellt findet. Die Schamwidrigkeit, die
8wir uns hätten zuschulden kommen lassen,
9hieß es, sei um so verurteilenswerter, als sie
10einem dankvergessenen und beleidigenden Miß-
11brauch der Gastfreundschaft Italiens gleich-
12komme. Nicht allein Buchstabe und Geist der
13öffentlichen Badevorschriften, sondern zu-
14gleich auch die Ehre seines Landes seien fre-
15ventlich verletzt, und in Wahrung dieser Ehre
16werde er, der Herr im Schniepel, Sorge tragen,
17daß unser Verstoß gegen die nationale Würde
18nicht ungeahndet bleibe.
Der StrandskandalHörbuch folgt